Pulverdampf, Marschtrommeln und Querpfeifen, der Geruch unzähliger Holzfeuer, Nebel und Regen, der die dünnen Uniformen unbarmherzig durchdringt, Befehle und Kommandos in allen Sprachen Europas – so in etwa muß es im Jahr 1813 genau hier im beschaulichen Liebertwolkwitz vor den Toren Leipzigs gewesen sein.
Mittlerweile schreiben wir jedoch das Jahr 2025 und es haben sich wieder mehrere Hundert Enthusiasten auf den historischen Schlachtfeldern eingefunden, um etwas der damaligen Atmosphäre nachzuempfinden und der unzähligen Toten der napoleonischen Kriege zu gedenken.
Wir Kavalleristen hatten wieder ein gemeinsames Zeltbiwak am Ortsrand bezogen und kamen so direkt und nahezu ungeschützt in den Genuß der ersten Frostnächte des Jahres. Aber mit genügend Feuerholz und der obligatorischen Daunendecke hatten wir einen gewissen Vorteil gegenüber den Kameraden vor 212 Jahren, es gab bei uns keine Ausfälle durch schlechtes Wetter und den langen Sommerfeldzug quer durch Deutschland...
Ab Donnerstag fanden sich die ersten Kameraden ein, der Aufbau des Lagers begann und der Abend endete gemütlich am Lagerfeuer.
Am Freitag wurden bei einem Ausritt über das südliche Schlachtfeld einige unerfahrene Pferde an das Reiten in großer Gruppe gewöhnt und nachdem alle Teilnehmer anwesend waren, wurde der Kameradschaftsabend mit einer vorzüglichen Gulasch-Krautsuppe von Andrea eingeleitet und später in den Lokalitäten des Dorfes beendet.
Der Samstag begann vormittags mit einer Trainingseinheit aller Reiter unter dem Kommando von Major Ettrig. Nach einer kurzen Abstimmungs- und Eingewöhnungsphase fanden alle Reiter zu einem harmonischen und ansehnlichem Ganzen zusammen.
Die nachmittägliche Gefechtsdarstellung stellte diesmal einen Abschnitt der historischen Ereignisse dar, bei denen die Französischen Truppen mit ihren Verbündeten über die alliierten Verbände siegten.
Dabei konnten wir von der sächsischen Kavallerie zweimal direkt miterleben, wie unsere gut vorbereitete Attacke im gegnerischen Raketenartilleriefeuer abgewiesen wurde – das war mal eine interessante Erfahrung!
Im weiteren Verlauf konnten wir dann lehrbuchmäßig einige preußische Landwehreinheiten in Unordnung bringen und in die Flucht schlagen, so daß unsere direkt nachrückende sächsische Linieninfanterie den „Gegner“ zum Rückzug zwingen konnte.
Dieses Zusammenspiel hatten wir als sächsische Kavallerie- und Infanterietruppen schon öfters intern geübt und konnten es hier einmal sehr schön zeigen – das war Gefechtsdarstellung und erlebbare Militärgeschichte vom Feinsten!
Danke hierfür auch an den Führer des sächsischen Bataillons, Mario Wolf!
Nach der kurzweiligen Darstellung erfolgte der Rückmarsch zum Lager, die Versorgung der Pferde und nach dem Nachtschießen der Artillerie dann der Besuch im Dorf im Jahre 1813. Hier wurden bei vielen Gesprächen mit den Kameraden aus Bayern, Tschechien und anderen Ländern Neuigkeiten ausgetauscht und Pläne für nächstes Jahr besprochen, denn am Ende des Herbstfeldzuges ist vor dem nächsten Sommerfeldzug!
Am Sonntag fand zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder ein Gedenken am Völkerschlachtdenkmal statt. Dies ist enorm wichtig, um die jährlichen Veranstaltungen zum Datum der Völkerschlacht sowohl als erlebbare Geschichte als auch als Mahnung an uns alle zu bewahren, daß Kriege ins Museum gehören. Auch wenn wir alle mit viel Spaß und Enthusiasmus bei der militärhistorischen Darstellung mitarbeiten, so ist doch keiner von uns unglücklich darüber, diese Zeit nicht persönlich miterlebt zu haben.
Vielen Dank allen Kameraden vom Elbnational Husarenregiment und vom sächsischen Husarenregiment für die gute Zusammenarbeit und die gezeigten Leistungen, mit 17 Reitern auf dem Gefechtsfeld haben wir eine gute Zusammenarbeit gezeigt!
Jens Untermann
Korporal im Husarenregiment
Bericht ZDF Mittagsmagazin vom 20. Oktober 2025 ab Minute 11:25
Video "Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 - Gefechtsdarstellung 2025" © Daniel Fischer
© Bildergalerie Jens Untermann
© Bildergalerie RossFoto Dana Krimmling
