Winterlager

4.-6. März 2022

Oelsen

Luisenjagd, Potsdam, Schloss Sanssouci

 

Es war endlich wieder soweit, das 5. Winterlager in Oelsen Thüringen konnte stattfinden. Viele haben darauf gewartet, mit einer Teilnehmerzahl von ca.100 und 15 Einheiten welche teilnahmen, war es das größte Winterlager welches in Oelsen durchgeführt wurde. Nach der langen Pause war es wichtig den Ausbildungsstand der verschiedenen Einheiten zu zeigen und aufzufrischen.

 

Völlige Ruhe, nur das langsame Geklapper der Hufeisen ist zu vernehmen.  Es ist früh am Morgen, die Sonne will auch noch nicht so ganz ihre Kraft versprühen. Sie schiebt sich behäbig noch von den letzten Griffen der eiskalten Nacht gehalten gen Firmament. Sehnsüchtig erwarten Reiter und Tier, die ersten morgendlichen, wärmenden Strahlen. Die zwei Platoons der 1 CS-Cavalry, sind schon auf Patrouille, um das fremde Gelände zu erkunden. Die Pferde finden schneller in ihre Geschmeidigkeit zurück als die Kavalleristen. Wahrscheinlich hatten sie wesentlich mehr nächtliche Ruhe als ihre Besitzer, welche sich die halbe Nacht bei anregenden Gesprächen am wärmenden Lagerfeuer um die Ohren schlugen.

Boom, Boom ……… Boom, durchbricht die friedliche Stille, die Reiter sind innerhalb von Sekunden hellwach. Hahaha klingt es hinter mir, mit einem vertrauten Lachen. „Ich lieben diesen Duft!“ Die dicken Schwarzpulverwolken treiben uns um die Nasen. Sergeant Williamson dreht sich im Sattel um. „Corporal Leclerc, genau das Gleiche wollte ich jetzt auch sagen.“ Mir kommt ein breites Grinsen übers Gesicht, die Truppe ist also einsatzbereit. Dieser lautpolternden Geschützeinladung können wir nicht widerstehen. Lauthals ertönt der Befehl: „Countermarch by the right!“ Wie ein Lindwurm wendet sich die Schlange der Reiter u-förmig um. Sobald das letzte Ross zur Marschkolone abgebogen ist, geht es im Galopp dem Schlachtengeschehen entgegen. Die Geschütze scheinen sehr hungrig zu sein, denn sie speien unaufhörlich ihre feurigen Ladungen in den Morgenhimmel. Die Platoons teilen sich geschwind auf und beziehen auf den jeweiligen Flanken Stellung. Unsere Infanterie gerät in arge Bedrängnis. Alles für den Süden, das erste Platoon trabt an und fliegt im Galopp weiter übers Schlachtfeld. Die Yankees erkennen die Gefahr sofort und bilden Karees, um sich vor dem drohenden Kavallerieangriff zu schützen. Da ist nicht viel auszurichten, ein paar Salven hin und her, schon geht es wieder zurück. Das zweite Platoon sprängt als gleich mit voller Wucht heran. Unaufhörlich knallt es Peng, Peng, Peng, Boom, Peng, Boom …….Booom, bald steht das ganze Feld unter Pulverschwaden. Zu guter Letzt, gehen mit unserem Wagonier die besagten Pferde durch. Der Chuck Wagon ist voll von schwer bewaffneten dismounted (abgesessenen) Kavalleristen. Die Kutsche prescht mit Höchstgeschwindigkeit an den Geschützen vorbei und feuert aus allen Rohren. Der Rebel Yall schallt weithin hörbar über das gesamte Geschehen. Ein glorreiches Reenactment neigt sich seinem Ende zu. Alle Teilnehmer treffen sich, um einander den gegenseitigen Respekt zu zollen. Man sieht an den glücklichen Gesichtern, dass jeder von zu tiefster Zufriedenheit ergriffen und froh ist nach der langen Zeit endlich wieder gemeinsam das Hobby ausüben zu können.

Es wurde viel vorher und auch währenddessen diskutiert. Ist es makaber in Zeiten wo echte Soldaten, auf welcher Seite auch immer in einen Krieg gezwungen werden, ein Reenactment zu veranstalten? Ist es geschmacklos, auf einer Wiese rumzuknallen und in Uniformen eine Schlacht aus längst vergangen Zeiten darzustellen.

Die Frage möchten und wollen wir hier nicht beantworten, denn es gibt keine Antwort auf diese Frage. Es liegt immer im Auge des Betrachters und so möge auch nur der entscheiden, welcher dabei war und den Spirit dieser Veranstaltung miterlebt hat. Aus der Ferne sich ein Urteil zu bilden ist immer leicht und meistens nicht ganz vorurteilsfrei.

Wer dort war, kann bestätigen, dass es jedem Einzelnen bewusst war, dass es nicht all zu weit von uns entfernt einen schrecklichen Krieg gibt. Beim Reenactment geht es ja genau darum, aus der Vergangenheit zu lernen. Geschichte kann sich nur immer wieder wiederholen, wenn sie vergessen wird, deshalb lernen wir nach all den Jahren immer wieder neu dazu. Das Reenactment bietet geschichtsinteressierten Menschen aus aller Welt gemeinsam die Möglichkeit sich intensiv mit einer Epoche ihrer Wahl zu beschäftigen und fördert dabei interkulturelles Verständnis im höchsten Maße. Durch dieses Hobby haben wir Freunde auf der ganzen Welt gewonnen, leider Gottes müssen einige von diesen uns so lieb gewordenen Menschen jetzt in einem sinnlosen Krieg gegeneinander mit echten Waffen kämpfen. Wir wünschen allen Menschen, dass sie gut durch diese schreckliche Zeit kommen mögen und gedenken im besonderen Maße unseren Freunden, welche nicht bei uns sein durften.

Die 8th North Carolina, Familie Wöckel hat die 1 CS-Cavalry und alle teilnehmenden Einheiten sehr freundlich aufgenommen und wir durften in bester Atmosphäre viele neue Leute kennenlernen. Die Offiziers Besprechung hatte natürlich einen ganz besonderen Reiz. Wann hat man schön mal die Ehre von General Robert E. Lee persönlich in das Geschehen eingeweiht zu werden. Wenn man sich darauf einlässt und sich vorstellt, dass der Thüringische Dialekt eben bestimmt so klingen muss wie der eines Gentleman aus Virginia, ja dann war es wirklich ein besonderes Gefühl. Die Zusammenarbeit mit dem zweiten Platoon, welches aus den Elb-National-Husaren bestand, war eine wahre Freude. Wir hoffen das sich aus den vielen neuen Kontakten, bald Freundschaften entwickeln und wir uns alle bald gesund und munter wieder sehen können. Zu guter Letzt noch ein ganz kräftiges Dankeschön an die spitzen Unterbringung der getreuen Pferde auf dem Falbenhof und die einwandfreie Organisation.

Es war allen Gäste eine Ehre in Oelsen auf dem Falbenhof dabei gewesen zu sein und hat oben drein Ross und Reiter viel Freude bereitet.

 

Eure Freunde von der 1 CS-Cavalry  und  8th North Carolina Infanterie

 

Bilder von Sven Ziegler


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